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Anlagenplanung (4): Güterverkehr

Inhalt

1. Beispiel Bahnhofsdatenblatt

2. Klassifizierung von Güterwagen

•  heute und ...

•  früher

3. Beispiele für Betriebe mit Gleisanschlüssen

•  Brauerei

•  Dachpappenfabrik

•  Getriebefabrik

•  Glashütte

•  Zuckerfabrik

 

 

Vorbemerkungen

Um halbwegs realistischen Güterverkehr abbilden zu können, muss man einiges über das Frachtaufkommen in konkreten Zusammenhängen wissen. Da kann man sicherlich von den FREMO-Kollegen lernen. Und man sollte sich über den Bedarf an ein- und ausgehenden Lieferungen der Betriebe informieren, für die man Gleisanschlüsse auf der Anlage vorsieht. Das soll hier beispielhaft an einigen Betrieben gemacht werden.

Felix Geering gab den guten Tipp, nach dem Stichwort Bahnhofsdatenblatt zu gurgeln. Das ist recht ergiebig! Ich stieß dabei u.a. auch auf diese Seite, bei der für die Anschlussbahn Mühlenroda (Thür.) das Frachtaufkommen, teilweise mit deklarierten Tagesmengen z.B. für eine Leuchtmittelfabrik, ein Antennenwerk u.a. aufgelistet ist.

Nicht jeder Betrieb, für den man den Verkehr im Modell abwickelt, muss auch auf der Anlage sichtbar sein. Über das Freiladegleis und die Laderampe der Ortsgüteranlage eines Bahnhofs können natürlich Betriebe "versorgt" werden, die sich im Off der Modellanlage befinden.

 

Bf-Datenblatt-Naumburg.gif1. Beispiel: Bahnhofsdatenblatt

Egal ob Gleisanschluss eines einzelnen Unternehmens oder Ortsgüteranlage eines Bahnhofs … am Ende der Planungs- und Recherchearbeit sollte ein Datenblatt herauskommen. Mir hat sehr gut gefallen, wie das Wolfgang Dudler für seinen Bahnhof Naumburg gelöst hat (siehe Abbildung). Auf der Seite sind neben Fotos von Vorbild und Modell auch eine pdf-Datei des originalen Bahnhofs-Handbuches hinterlegt. Ob man beim Datenblatt die Nutzgleislängen mit Achsenanzahl oder in Metern angibt, ist dabei eher eine Marginalie … wichtiger ist es, dass so ein Datenblatt überhaupt existiert, um sinnvollen Verkehr abbilden zu können, und dass der Gleisplan der Betriebsstelle mit den definierten Transportanforderungen eine stimmige Einheit bildet.

Am besten ist es (wie so oft und wie auch das Beispiel Naumburg wieder zeigt), wenn man sich so weit wie möglich an der Realität orientiert.

 

 

2.1. Klassifizierung von Güterwagen heute

Gattung Bezeichnung
E Offene Wagen der Regelbauart (stirn- und seitenkippbar mit flachem Boden)
F Offene Wagen der Sonderbauart (z.B. mit Schwerkraftentladung)
G Gedeckte Wagen der Regelbauart (mit wenigstens 8 Lüftungsöffnungen)
H Gedeckte Wagen der Sonderbauart (z.B. Schiebewandwagen)
I Wagen mit Temperaturbeeinflussung (Kühlwagen mit Isolierung, Luftumwälzung, Eiskästen)
K Flachwagen der Regelbauart mit 2 Radsätzen (mit klappbaren Borden und Rungen)
L Flachwagen mit unabhängigen Radsätzen der Sonderbauart (z.B. für Autotransport)
O Gemischte Offen-Flachwagen der Regelbauart (mit klappbaren Borden und Rungen)
R Drehgestell-Flachwagen der Regelbauart (mit klappbaren Stirnborden und Rungen)
S Drehgestell-Flachwagen der Sonderbauart (z.B. Teleskophaubenwagen)
T Wagen mit öffnungsfähigem Dach (z.B. Schiebedach, Rolldach, gedeckte Schüttwagen)
U Sonderwagen (nicht unter Gattung F, H, L, S, oder Z)
Z Kesselwagen (Behälter aus Metall für Transport flüssiger oder gasförmiger Güter)
 
Zur Klassifizierung von Güterwagen nach UIC-Standard (= internationaler Eisenbahnverband) siehe auch: Janicki/Reinhard: Schienenfahrzeugtechnik, Th. Berndt: Eisenbahngüterverkehr sowie Buchholz/Clausen: Handbuch der Verkehrslogistik

 

2.2. Klassifizierung von Güterwagen 1922 bis 1968:

Gruppe Gattungsz.* Wagenart
Gedeckt
G G/GG gedeckte Wagen, gedeckte großräumige Wagen, Stallungswagen, Kühlwagen (bis 1951)
T T/TT Kühlwagen
K K/KK Klappdeckelwagen
V V Verschlagwagen
Offen
O O/OO offene Wagen, Selbstentladewagen, Kübelwagen
R R/RR Rungenwagen
S S/SS Schienenwagen, Flachwagen, Tiefladewagen
H H Schemelwagen
X X/XX Arbeitswagen
BT

BT

Behältertragwagen
Z Z/ZZ Kesselwagen

*Ab 1951 „Gruppenzeichen"

 

Quelle: Wikipedia

 

 

3. Betriebe mit Gleisanschlüssen … z.B. (noch in Bearbeitung):

 

Brauerei

Gütereingang: (1.) Braugetreide, Hopfen, Kohle/Öl (2.) Verpackung: leere Flaschen, leere Fässer, leere Getränkekisten, Retour-Leergut
Wagentypen zu (1.) Schüttgutwagen, Selbstentladewagen, ggf. Kesselwagen (für Öl) z.B.:
zu (2.)
alle Arten gedeckter Güterwagen, Ep. IV: Schiebewandwagen
z.B.: Hbillns, Gbs, Hbfs, Gs, Gas(s), Gabs(s), Habiss
Güterausgang:

(1.) Bier in Flaschen, Fässern und ggfs. Tanks (2.) Produktionsabfälle (Braukuchen/Trester)

Wagentypen zu (1.) insbesondere Kühlwagen, evtl. auch spezielle Flachwagen mit Tanks z.B.:
zu (2.) Offene Güterwagen z.B.
Anmerkungen/ Besonderheiten Hopfen wird natürlich auch benötigt … aber in Kleinstmengen: 600 g reichen für 1.000 Liter Bier

 

Dachpappenfabrik

Gütereingang: Rohstoffe: (1.) Rohpappe, Bitumen, Split (2.) Primärenergie (Öl oder Gas);  (3.) Verpackung: Paletten, Karton u.a.
Wagentypen zu (1. + 3.) Rohpappe: alle Arten gedeckter Güterwagen, Ep. IV: Schiebewandwagen; Bitumen: Kesselwagen; Split: Schüttgutwagen, Selbstentladewagen

z.B.: Hbillns, Gbs, Hbfs, Gs, Gas(s), Gabs(s), Habiss
bzw. Otmm 70 (ab 1964: Eds 090, (ab 1980 Fcs 090)

zu (2.) Kesselwagen
Güterausgang:

(1.) Dachpappe aller Art, (2.) Produktionsabfälle

Wagentypen zu (1.) alle Arten gedeckter Güterwagen, Ep. IV: Schiebewandwagen z.B.: Hbillns, Gbs, Hbfs, Gs, Gas(s), Gabs(s), Habiss
zu (2.) Offene Güterwagen z.B. Eaos
Anmerkungen/ Besonderheiten

 

Getriebefabrik

Gütereingang:

(1.) Rundmaterial/Stahl
(2.)
Gussgehäuse, Zahnräder, Kleinteile (Schrauben, Dichtungen …), Getriebeöl, Verpackungsmaterial

Wagentypen Gattung Anmerkung Wagenmenge/Zeiteinheit
zu (1.) R, O Flachwagen, offene Wagen 2/Woche
zu (2.) G, H
alle Arten gedeckter Güterwagen, Ep. IV: Schiebewandwagen Gehäuse: 2-3/Woche; Zahnräder 1/Woche; Kleinteile: 2-3/Woche; Getriebeöl: 1/Monat
Güterausgang:

(1.) fertige Getriebe, Getriebeteile (2.) Dreh- und Fräsabfälle/Späne

Wagentypen Gattung
Anmerkung
Wagenmenge/Zeiteinheit
zu (1.) G, H
alle Arten gedeckter Güterwagen,
Ep. IV: Schiebewandwagen
5/Woche
zu (2.) E, O z.B. Eaos 1-2/Monat
Anmerkungen/ Besonderheiten Angaben angelehnt an das Datenblatt von Christian Lindecke für sein Modul »Zahn & Sohn«

 

 

Glashütte

Gütereingang: Rohstoffe: (1.) Quarzsand, Kalk, Soda, Altglas sowie diverse Chemikalien zum Einstellen der Glaseigenschaften. Für die Glaserzeugung sind hohe Temperaturen notwendig, deshalb hoher Bedarf an (2.) Primärenergie (Öl oder bevorzugt Gas); für (3.) Verpackung außerdem: Paletten, Karton, Plasikfolie u.a.
Wagentypen zu (1.) Schüttgutwagen, Selbstentladewagen, Staubgutwagen (Kalk) z.B.: Otmm 70 (ab 1964: Eds 090, (ab 1980 Fcs 090), Falns,
zu (2.) Kesselwagen
zu (3.) alle Arten gedeckter Güterwagen, Ep. IV: Schiebewandwagen z.B.: Hbillns, Gbs, Hbfs, Gs, Gas(s), Gabs(s), Habiss
Güterausgang:

(1.) Paletten/Kisten/Kartons mit Glasflaschen (bei Hohlglas/Behälterglas) bzw.
(2.)
Glasscheiben in Transportgestellen (bei Flachglas/Walzglas).

Wagentypen zu (1.) alle Arten gedeckter Güterwagen, Ep. IV: Schiebewandwagen z.B.: Hbillns, Gbs, Hbfs, Gs, Gas(s), Gabs(s), Habiss
zu (2.) wie 1. aber auch Flachwagen mit Transportbehältern/ -gestellen
Anmerkungen/ Besonderheiten Wichtigster Rohstoff für die Erzeugung von Glasbehältern ist mittlerweile Altglas: Glasflaschen bestehen zum Teil aus bis zu 90% Altglas, da dies als Rohstoff an sich schon billiger ist und zusätzlich der Energieverbrauch geringer ist.

 

zuckerfabrik.jpgZuckerfabrik

Hier liegt noch keine Tabelle wie bei den anderen Betrieben vor. Ich habe aber eine interessante Schemazeichnung mit Gleisplan gefunden, die Aufschluss über Bestandteile und Abläufe einer Zuckerfabrik gibt.

Die Zeichnung stammt aus der Abhandlung von Dr. Heinz August Heiner: »Die Rationalisierung des Förderwesens in Industriebetrieben«, Heft 14 des Industrieseminars der Universität Köln, Verlag Duncker und Humblot, Berlin 1961

Tipps, Tricks und Informationen für anspruchsvolle Modellbahner