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Anlagenplanung (1): Konzept + Gleisplan

A. Am Anfang ist der Endbahnhof ...

B. Gleisplan entwerfen: Handskizze contra Gleisplanungs-Software

 

Idealerweise beginnt die Planung mit einem Streckenkonzept ...

... das Streckenkonzept kann man zunächst schematisch skizzieren und darüber nachdenken, was für Züge dort zu welchem Zweck von wo nach wo fahren? ... in welcher Landschaft spielt sich das ab und welchen Ausschnitt bilde ich im sichtbaren Teil meiner Anlage ab? Welcher Bahnhof meines Streckenkonzeptes wird nicht mehr sichtbar dargestellt und durch den Schattenbahnhof simuliert?

Wie man nicht anfangen sollte: »... da zeichnen wir doch einfach mal ein Oval, dann können die Züge schon im Kreis herumfahren!« --- Wieso sollten sie das tun? Das tun die Züge in der Realität doch auch nicht! Für eine kleine Testanlage, die keinen Anspruch auf Realitätsnähe hat, ist das okay. Eine geschlossene Gleisstrecke erleichtert z.B. das Einfahren von Loks.

 

zum Thema Streckenkonzept / Fahrbetrieb siehe auch:
Felix Geering »Vom Kreisverkehr zum Betriebserlebnis«


Wenn man viel Platz hat und sich großzügige Radien erlauben kann oder wenn man die engen Bögen geschickt versteckt, dann lassen sich auch geschlossene Gleisstrecken vernünftig realisieren. Wenn der zur Verfügung stehende Raum bescheidener ausfällt, sollte man eventuell in eine andere Richtung denken:

Wer dicht am Vorbild bleiben will, der ist vielleicht mit einer linearen Anlage gut beraten, bei der die Züge vom Endbahnhof A nach B und wieder zurückfahren. So eine Anlage benötigt nicht viel Raumtiefe, lässt sich auch in einem Regal bauen und auf die Weise lassen sich erhebliche Gleisstrecken erzielen, bei denen ein Zug – vorbildgerechte Geschwindigkeit vorausgesetzt – schon eine ganze Weile unterwegs ist. So betrachtet, könnte der Einstieg in die konkrete Planung auch darin bestehen, dass man in der weisen Annahme »einen Bahnhof gibt es auf meiner Anlage auf jeden Fall« sich als erstes einen kleinen Endbahnhof vornimmt.

 

A. Am Anfang ist der Endbahnhof ...

 

Endbahnhof

 

Der Bahnhof meiner Wahl ist fast vollständig dem Bahnhof Daaden nachempfunden: die Gleis- und Bahnsteiglängen entsprechen exakt dem Vorbild. Wegen der minimalen Änderungen, wie z.B. dem ergänzten Lokschuppen, heißt mein Bahnhof "Daadetal". Für mein Verständnis ist das der perfekte Endbahnhof einer Nebenstrecke – ab Epoche 1 bis zum Anfang der Epoche 4 geeignet. Der Bahnhof erlaubt realistischen Betrieb – inklusive Umsetzen der Loks nach Ankunft der Züge und Rangierspaß. Der von mir gezeichnete Plan ist für Spur N auf zwei Segmenten 100 x 50 cm geplant. Er ließe sich mit geringfügigen Abstrichen an die Gestaltung auch auf 40 cm Tiefe anlegen (Häuser an der Rückseite nur als Halbreliefs, Verzicht auf die Straße im Vordergrund); bei nur 30 cm Tiefe würde man auch noch auf die Tischlerei im Vordergrund verzichten. An der Länge sollte man nicht viel sparen; 2 x 90 cm wäre denkbar, 2 x 80 cm scheint mir zu knapp – dann sollte man einen anderen Bahnhof als Vorbild nehmen, bei dem kein Gleisanschluss (hier die Holzverladung) in Verlängerung des Bahnhofendes liegt. Nachfolgend dargestellt die Variante auf 200 x 40 cm:

Bf. Daadetal auf 200 x 40 cm

Wenn man beim Planen nicht nur die "nackten" Gleise zeichnet, sondern auch das Drumherum, dann bewegt man sich gedanklich auch schon ein Stück in Richtung Anlagengestaltung und kann sich besser in die betrieblichen Abläufe hineindenken: was leben hier für Menschen? ... Wo und womit verdienen sie ihre Brötchen? Welche Anforderungen resultieren daraus für den Transport von Personen und Gütern?

 

Natürlich gibt es auch Zwischenbahnhöfe und Haltepunkte, durch die Züge hindurchfahren. Dann muss man sich die Frage stellen, wo sie herkommen und wo sie hinfahren; vielleicht wird das dann ein Anlagenkonzept, bei dem die Züge auf beiden Seiten des Bahnhofs irgendwann im "Off" verschwinden, wo sie in einem Schattenbahnhof bleiben, der dann die Funktion der "Endbahnhöfe" übernimmt. Auch so ein Konzept ist denkbar und plausibel darzustellen. Meine persönliche Vorliebe allerdings gehört den Nebenstrecken mit Endbahnhöfen (siehe dazu auch die nächste Seite: Bahnhöfe).

Die hier angerissenen Grundideen mit einem starken Plädoyer für Point-to-Point-Betrieb haben kompetentere Modellbahner vor mir beschrieben: siehe Links auf der vorhergehenden Seite.

 

Wenn man beim Entwerfen eines Gleisplans nicht mit dem erwähnten Oval anfängt, sondern sich erstmal mit einem kleinen Endbahnhof "warmzeichnet", dann ist das ein guter erster Schritt zu einer Anlage, die nicht auf "Spielbahn"-Niveau bleibt. Ob der Endbahnhof dann später in eine komplexe Anlage integriert wird oder weiterhin im Zentrum der Betriebsaktivitäten bleibt, kann man zu diesem Zeitpunkt ja noch offen lassen ...

Der nächste Schritt könnte – wie rechts dargestellt – sein, ein oder zwei schöne Streckenmodule zu planen, vielleicht mit einem Gleisanschluss an eine Firma ... und dann könnte fürs Erste die Strecke in einem (eventuell nicht weiter gestalteten) "Fiddle Yard" enden, der den anderen Endpunkt der Strecke ersetzt und von dem aus ganz unterschiedliche Züge in Richtung unseres Endbahnhofes geschickt werden. Die hier gezeigte Fiddle-Yard-Lösung ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber platzsparend: ohne Streckenverlust für Weichenfelder vorne und hinten ist hier sogar ein Umsetzen der Lok möglich ... und die »Drehleier« ließe sich bei 40 cm Segmentbreite sogar bis auf 7 Gleise ausdehnen.

 

Am besten also erst einmal einen schönen "echten" Bahnhof aussuchen (siehe Hinweise und Anregungen auf der Folgeseite), den man als Grundlage für die eigene Planung nimmt ...

 

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B. Gleisplan entwerfen: Handskizze contra Gleisplanungs-Software

spurz-z-winrail.jpgGleisplanungs-Software kann bei der Anlagenplanung nützlich sein, wenn es z.B. darum geht, einen komplexen Bahnhofsbereich maßstabsgerecht zu zeichnen und dabei verzweigte Weichenstraßen in Längen und Winkeln korrekt anzulegen. Für die grundlegende Streckenführung auf einer Anlage mit sanft geschwungenen Streckenverläufen ist die Software-gestützte Planung vielfach eher hinderlich als nützlich -- auch wenn Könner damit etwas anderes hervorbringen als die sterile, rechts abgebildete Anlage (Spur-Z-Anlage mit winrail konstruiert). "Profis" brauchen in der Regel nur Weichen und Flexgleise für den Anlagenbau: die Streckenführung richtet sich nicht nach vorhandenen Gleisbögen und -geraden, sondern die Planung orientiert sich am Vorbild und die Gleise haben gefälligst zu spuren! Punkt.

Dass skizzierte Gleispläne ihren eigenen ästhetischen Reiz haben und eine schnelle Kommunikation über Planungsalternativen erlauben, ist dabei eher von nachgeordneter Bedeutung.

Ich selbst arbeite bei Gleisplänen meist mit Computer und Grafikprogramm, aber nicht mit einer Gleisplanungs-Software, sondern benutze quasi den Rechner als "Bleistift". Das ist in gewisser Weise ein Kompromiss zwischen beiden Varianten, bei dem zwar der ästhetische Reiz der Handskizze flöten geht, aber die Freiheit und Beweglichkeit der Streckenführung ebenso groß ist.

Zumindest erwähnen sollte man die gute alte Gleisplan-Schablone für das Entwerfen mit Stift und Papier. Davon sollte man sich beim freien Streckenverlauf unbedingt lösen. Aber gerade wenn man nicht viel Erfahrung hat, ist so eine Schablone äußerst hilfreich, wenn es darum geht, Bahnhöfe und Weichenfelder zu zeichnen, die dann später auch realisierbar sind.

 

Nachtrag im Januar 2010:

Bis vor Kurzem stand ich Planungs-Software eher ablehnend gegenüber. Jetzt sehe ich das sehr viel differenzierter: wenn die Ideen unbelastet von vorgegebenen Gleisgeometrien der Hersteller "im Kopf" und "Freihand" entwickelt sind ... dann benutze ich inzwischen grundsätzlich Gleisplanungs-Software.

In den meisten Fällen werden meine Pläne allerdings hinterher für Forumsbeiträge oder die GLeisülan-Datenbank in Photoshop "angehübscht" ... Strukturen, Schatten, Bäume, Straßen ... um den Plänen etwas von der Anonymität der Planungs-Software zu nehmen. Die 3D-Ansicht kann – richtig angewendet – durchaus erkenntnisfördernd sein, ist für mich persönlich nicht so interessant.
Ich arbeite mit WinTrack, insbesondere wenn es um komplexe Planungen mit mehreren Ebenen und exakt berechnteten Steigungen geht, ... oder aber mit RailModeller (da ich meist am Mac sitze), wenn es um schnelle Planungen geht, die sich im Wesentlichen auf einer Ebene abspielen. RailModeller ist ein Programm, das es nur für Macintosh gibt ... damit lässt sich Mac-like sehr schnell und intuitiv arbeiten, wenngleich WinTrack in der Summe das leistungsfähigere Programm ist ...

Eine Markübersicht über verfügbare Software gibt es bei www.der-moba.de

 

Beispiele für Planung in "Handarbeit"

elvis-mueller.jpgLinks und unten:

Elvis Müller hat eine geniale Art und Weise, Gleisplanungsideen schnell kommunizierbar zu machen. Hier eine Skizze, die er in einer Gleisplan-Diskussion im Spaßbahnerforum eingestellt hat, um die optimale Linienführung von Kopfbahnhof einer 1-gleisigen Nebenstrecke und der aus dem Schattenbahnhof ans "Tageslicht" kommenden 2-gleisigen Paradestrecke zu verdeutlichen (links) und eine Skizze, die die Verknüpfung von mittelgroßem Bahnhof und Bahnbetriebswerk zeigt (unten).

elvis-mueller2.jpg

Rechts:

Schnelle Handskizze von Carsten Eisfeld in ein handliches Skizzenbüchlein. Die Entwürfe sind -- wie Carsten beschreibt -- im ICE zwischen Berlin und Hamburg bei einem frischen Pils im Bordrestaurant entstanden. Mehr Aufwand braucht man nicht zu betreiben, um erste Ideen zu visualisieren und auf Stimmigkeit und Plausibiliät zu testen. Erste Skizze:  "zusammengefaltete Acht" als Grundform (rot = verdeckte Streckenführung), zweite Skizze: Planungsüberlegungen für Industrie-Gleisanschlüsse.

ks_gp_001.jpg ks_gp_003.jpg
Wenn man zum Skizzieren -- wie Carsten -- ein Heftchen mit leicht durchscheinendem Papier nimmt, hat das den zusätzlichen Charme, dass man mit "Layern" arbeiten kann ... sei es, um Schattenbahnhof und sichtbaren Bereich auf getrennten Blättern passgenau bearbeiten zu können oder um eine korrigierte Variante zur vorhergehenden Planskizze schnell zeichnen zu können.

patrick_update081116.jpg

 

Links:

N-Anlage 295x 200 cm von Patrick Zehnder, die sich insbesondere durch die sanft geschwungene Streckenführung der Paradestrecke auszeichnet. Auch alle anderen sichtbaren Strecken halten sich nicht an feste Gleisgeometrien, sondern werden mit Flexgleisen umgesetzt. Diesen Entwurf hatte Patrick im Forum 1zu160.net zur Diskussion gestellt und weiterentwickelt.

gilpintrackplanbig.jpg

 

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Rechts:

Darel Leedy (Colorado, USA) hat die Point-to-Point-Anlage einer historischen Schmalspurbahn (1910) im Maßstab 1:64 (Spurweite 10,5 mm) auf einer Fläche von ungefähr 4 x 4 Meter geplant und realisiert. Mehrere Gleisanschlüsse von kleinen Minen sind auf der Anlage vorgesehen und am Endpunkt der Anlage der Umschlagpunkt von Schmalspur auf Normalspur. -- Die zeichnerische Planung ist allerdings keine "schnelle Skizze" mehr, sondern eine sehr schön ausgearbeitete Zeichnung.

 

jaffa-kleines-l2.jpg

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Links:

Modular aufgebaute Anlage mit Kopfbahnhof und Industrie-Gleisanschluss -- von mir selbst, wie oben beschrieben, mit einem "normalen" Grafikprogramm gezeichnet.

 

 

 

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malenmitflexgleisen.jpg

Rechts:

... und wie man mit Flexgleisen "malen" kann, zeigt Carsten Eisfeld: Die Gleise — es sind Flexgleise und auch Festgleise dabei — sind nur mit Nadeln fixiert, Styropor und Lego dienen als Nivellierungshilfe.

So zeigt sich an der Nahtstelle zwischen Planen und Bauen schnell, ob Radien stimmen, Steigungen machbar sind usw.

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Was man bei allen hier gezeigten Plänen sieht: geschwungene, sanfte Linienführungen dominieren. Lange, kantenparallele Geraden gibt es bestenfalls bei den Skizzen von Carsten -- und auch dort nicht, weil er es nicht besser weiß, sondern weil das "Z" seiner ZOFF-Analyse (s.o.) besagte: die maximale zur Verfügung stehende Fläche beträgt 60 x 120 cm.

Eine sehr schöne Sammlung von skizzierten Gleisplänen gibt es unter dem Titel Mut zur Skizze im H0-Modellbahnforum

 

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... oder weiter mit ... planen (2): Bahnhöfe

Tipps, Tricks und Informationen für anspruchsvolle Modellbahner

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